Mittwoch, 20. März 2013

USA 2013, 19.03., Tag 6: Huntsville

Für heute stand das "U.S. Space and Rocket Center" in Huntsville auf dem Programm. Neben dem eigentlichen Museum mit verschiedenen Ausstellungen bekommt man noch die Saturn-V-Rakete, ein IMAX-Kino und eine Bus-Tour durch das benachbarte Redstone-Arsenal geboten. Wobei letzteres enttäuschenderweise nur noch für US-Staatsbürger möglich ist. Als ich 2000 hier war, haben wir alle die Tour gemacht und da wollte noch nicht mal jemand unseren Pass sehen. So ändern sich die Zeiten halt, nach dem Krieg haben sie hier äußerst fragwürdigen Leuten die Tür aufgehalten und heute darf man als Ausländer keinen Fuß mehr auf das Gelände setzen.
Apropos, im Museum gibt es eine große Ausstellung zu Wernher von Braun. Seine Karriere bei den Nazis wird am Rande erwähnt und auch aus Dora gibt es einzelne Fotos. Übrigens wird er hier zitiert, dass die Flucht vor der Roten Armee und das Überlaufen zu den Amerikanern eine "Entscheidung des Gewissens" gewesen sei. Für jemanden, der Raketen zur massenhaften Bombardierung der Briten entworfen und gebaut hat, war diese Entscheidung wohl mehr von der eigenen Karriere als vom Gewissen getrieben.

Sehr interessant waren der IMAX-Film über Weltraumschrott ("Space Junk") und die Saturn V. Genau wie in Cape Canaveral haben sie auch hier eine riesige Halle gebaut, in der man die Rakete besichtigen kann.

Da wir durch die ohne uns stattfindende Bus-Tour noch den ganzen Nachmittag Zeit hatten, haben wir uns spontan entschlossen, einen Abstecher nach Tennessee zu machen. Genauer gesagt nach Lynchburg zu Jack Daniel's. Das hat sich gelohnt! Die Tour ist kostenlos, schließt aber keine Kostproben ein. Der Tour-Führer entspricht den typischen Vorurteilen gegenüber einem Südstaatler: sehr dick, mit blauer Latzhose bekleidet und einen unverständlichen Slang sprechend. Man sieht alle Stationen der Whisky-Herstellung, von den Fässern und der Holzkohle, über die Fermentierung bis zur Abfüllung. Am Ende gibt's leckere Südstaaten-Limonade für alle. Auf dem Gelände ist auch ein kleiner Laden, in dem man besondere Jack-Flaschen, z.B. Single Barrel, kaufen kann. Das ist auch die einzige Möglichkeit, in der Gegend Jack zu erwerben, denn die Gegend ist ein ein "dry county", d.h. ein trockener Bezirk. Paradox, die Leute trinken keinen Alkohol, verkaufen ihn aber in die ganze Welt. Na ja, eine Eigenheit des "Bible Belts", des Bibelgürtels der USA.

Morgen durchqueren wir Alabama von Nord nach Süd. Die nächste Station ist Pensacola, Florida, am Golf von Mexiko.

Space Shuttle, U.S. Space & Rocket Center, Huntsville, AL
Saturn V, U.S. Space & Rocket Center, Huntsville, AL
Jack Daniel's, Lynchburg, TN
Jack Daniel's, Lynchburg, TN

Montag, 18. März 2013

USA 2013, 18.03., Tag 5: von Atlanta nach Huntsville

Wir sind heute Morgen mit der U-Bahn wieder zum Flughafen hinaus gefahren und haben unseren Mietwagen geholt. Die gute Nachricht: wir haben wieder einen Chevrolet Captiva bekommen! Die schlechte Nachricht: es ist die absolute Grundausstattung. Unglaublich, aber es gibt nicht mal einen Schlüssel mit Funkfernbedienung! Ich wusste gar nicht, dass die sowas überhaupt hier verkaufen können. Aber wahrscheinlich haben die Leute von Chevy mal eine Sonderauflage für Alamo gemacht und Autos gebaut, die sonst nirgends zu bekommen sind.


Apropos schlechte Nachrichten: Nr. 2 ist, dass das Navi beim Transport kaputtgegangen ist. Keine Ahnung, was das genau passiert ist, aber es sieht so aus, als ob mein Notebook einen Zusammenstoß mit dem Display des Navis hatte. Jedenfalls ist das halbe Display im Eimer, siehe Foto. Wir haben uns dann mit der Straßenkarte bis auf die Interstate 20 und zum ersten Wal-Mart durchgeschlagen. Die hatten dann eine durchaus akzeptable Auswahl an Navis da. Schlecht für die Urlaubskasse, aber leider nicht zu ändern. Ich spiele nachher noch die Wegpunkte unserer Hotels drauf und dann ist der Ersatz hunderprozentig einsatzfähig.

Schlechte Nachricht Nr. 3: das Shopping-Zentrum in Boaz gehört der Vergangenheit an. Im Jahr 2000 gab es dort ein Outlet Center, wo man bummeln und richtig günstig einkaufen konnte. Heute stehen die meisten Geschäfte leer und es macht sich ein Flair wie kurz vorm Abriss breit. Gut, andererseits haben wir wieder Geld gespart.

Positiv sollte noch erwähnt werden, dass wir beim Wetter Glück hatten. Gerade als wir in die überdachte Einfahrt des Hotels gefahren sind, brach ein richtig heftiges Gewitter los. So mit Donner, Blitz, Platzregen, Wind und ein wenig Hagel. Da war es gut, dass wir nicht mehr auf der Straße unterwegs waren. Weiter östlich gab es dicken Hagel (5 cm Durchmesser) und auch eine Tornado-Warnung, aber auch das hat uns hier nicht erwischt.

Morgen gibt es wieder Sonne, leider bei etwas kälteren Temperaturen, aber keinen Regen mehr. Am Mittwoch geht es dann weiter nach Florida, aber da soll das Wetter dann richtig miserabel werden. Schaumermal.

Das Navi hat's hinter sich...
Tornado-Warnung im Weather Channel

Sonntag, 17. März 2013

USA 2013, 17.03., Tag 4: Atlanta

Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Geschichte. Nicht unserer, sondern logischerweise eher der amerikanischen. Quer durch ein sehr zweifelhaftes Viertel sind wir zur "Martin Luther King Jr. National Historic Site" gelaufen. Dort waren dann wieder busweise Leute unterwegs. Die Kirche, in der MLK Jr. und auch schon sein Vater gepredigt haben, kann man nur von außen anschauen. Direkt daneben wurde ein richtig großer Komplex, das MLK-Zentrum, erbaut. Dazu gehören auch die "Ewige Flamme" und sein Grab. Im Zentrum selbst gibt es einige Ausstellungsstücke aus seinem und dem Leben seiner Frau zu sehen. Ein Stückchen die Straße rauf steht dann auch sein Geburtshaus und nebenan der obligatorische Souvenirladen  Gegenüber vom MLK-Zentrum ist nochmal eine Ausstellung zum Kampf der Farbigen um ihre Gleichberechtigung zu besichtigen. Eine wirklich sehr gut gemachte Ausstellung, die bewegt.

Zurück ins Zentrum haben wir dann einen anderen Weg gewählt. Der war zwar nur einen Block weit weg, aber die Gegend schien doch um einiges sicherer. Mittag haben wir wieder bei CNN Station gemacht, aber nur des Essens wegen. Der Weg zu Coca Cola war etwas schwierig, da heute ein Marathon mitten durch die Stadt ging und der nette Park teilweise abgesperrt war. Bei Coca Cola gab es verschiedene Dinge anzuschauen. Sie versuchen dort, das geheime Rezept regelrecht zu mystifizieren. Es ist typisch amerikanisch auf Show getrimmt, kurzweilig und unterhaltsam. Am Ende des Rundgangs steht dann der "Tasting Room", der aus diversen Zapfanlagen besteht. Man kann mehr als 60 Getränke des Konzerns von verschiedenen Kontinenten probieren. Und man kann probieren, soviel man will. D.h. so viel, bis einem schlecht wird. Und das wird es garantiert! Unser Fazit ist, dass die europäischen Geschmacksrichtungen immer noch am wenigsten süß schmecken. Gut, einiges von dem anderen Zeug dürfte bei uns wegen der bunten Zusätze ganz sicher nicht verkauft werden... Deutschland ist an den Zapfhähnen übrigens mit "Mezzo Mix" vertreten. Der obligatorische Laden vor dem Ausgang ist wirklich gigantisch und man bekommt alles, worauf man irgendwie "Coca Cola" drucken kann.

Zurück im Hotel genießen wir am Pool noch ein wenig die Wärme. Die nächsten Tage geht es hier mit dem Wetter rapide bergab. Nix mehr mit über 20 Grad und Sonnenschein, eher deutlich kühler mit Regen und Gewittern. Wir werden noch ein bisschen entspannen und dann heute Abend die Koffer packen. Morgen früh geht es mit der U-Bahn zurück zum Flughafen. Wir holen das Auto und düsen nordwestlich nach Alabama hinein. Nebenbei überschreiten wir dann auch eine Zeitzone, d.h. der Tag ist morgen eine Stunde länger für uns.

Geburtshaus von Dr. Martin Luther King Jr., Atlanta, GA
World of Coca Cola, Atlanta, GA
Tasting Room, World of Coca Cola, Atlanta, GA

Samstag, 16. März 2013

USA 2013, 16.03., Tag 3: Atlanta

Samstag ist irgendwie alles anders. Selbst nach 07:00 Uhr gibt es im Food Court noch kein Frühstück. Der direkte Weg dorthin war heute Morgen auch noch verschlossen, so dass wir den Umweg durchs benachbarte Hyatt nehmen mussten. Auch ein schönes Hotel, ein wenig stilvoller und eleganter. Das machte sich auch beim Publikum bemerkbar. Dort liefen haufenweise (weiße!) Mittel- und Endzwanziger in Uniformen umher, mit einem Emblem und dem Schriftzug "Future Leader of the American Economy" (etwa "Zukünftiger Anführer der amerikanischen Wirtschaft") - echt zum Erbrechen. Bei uns im Marriott sind am Wochenende eher Farbige unterwegs, die deutlich entspannter drauf sind als die Gäste im Hyatt. Überhaupt ist man in Atlanta meist zwischen "African Americans" (so der politisch korrekte Ausdruck) unterwegs. Nimmt man die anderen ethnischen Gruppen noch dazu, ist es sicher erstmal überraschend, wenn man in den USA als Weißer plötzlich in der Minderheit ist.

Wir sind dann morgens mit dem Bus (ein echtes Abenteuer) zum Atlanta History Center gefahren. Dort sollte es möglich sein, ein schönes Herrenhaus und eine alte Farm zu besichtigen. Ersteres war heute aus unerfindlichen Gründen nicht möglich. Die Farm war aber ganz interessant. Jede Menge Freiwilliger waren dort damit beschäftigt, der Szenerie eine gehörige Portion Authentizität zu verpassen. Also insgesamt waren deutlich mehr Freiwillige als Besucher anzutreffen... Das zugehörige Museum war richtig groß, thematisch für uns aber nicht so interessant. Insgesamt war der Ausflug eher enttäuschend.

Anschließend sind wir zur Lenox Square Mall gelaufen. Der Weg hat sich ganz schön gezogen! Die Mall ist im Zentrum von Buckhead und hier fühlt man sich plötzlich im Zentrum einer eigenen Stadt, mit eigenen Hochhäusern und der ganzen Infrastruktur. Die Mall bietet viel Bekleidung, einiges auch im oberen/obersten Preissegment. Sehr zu empfehlen ist auf jeden Fall der Food Court im Untergeschoss ;-)

Auf dem Rückweg (mit der U-Bahn) haben wir einen Zwischenstopp beim Margaret Mitchell House gemacht. Margaret Mitchell war die Autorin des Südstaaten-Romans "Vom Winde verweht" ("Gone with the Wind"), die Älteren werden sich erinnern. Das Museum ist typisch amerikanisch: MM hat nur einige Jahre hier gelebt, jedenfalls ist sie ausgezogen bevor das Buch veröffentlicht wurde, sie hatte auch nur eine Wohnung in diesem Haus und hat nie das ganze Haus bewohnt, die Möbel sind alle nicht von ihr, die meisten Möbel sind nicht mal original sondern Nachbauten, usw. Wieder ein enttäuschender Abstecher. Nur für ganz große Fans zu empfehlen. Wenn überhaupt.

Zurück im Zentrum haben wir uns noch Underground Atlanta angeschaut. Das ist eine unterirdische Ansammlung von Geschäften und Restaurants. Das war cool! Ein echt interessantes Flair und eher alternative Läden und Leute. Da hat das Bummeln echt Spaß gemacht. Auf dem Rückweg zum Hotel haben wir die Ausläufer des St. Patrick's Day mitbekommen. Irgendwie muss ja in den meisten Amerikanern ein Tröpfchen irisches Blut stecken, wenn man sich das so anschaut.

Swan House, Atlanta History Center, Atlanta, GA
Margaret Mitchell House, Atlanta, GA
Underground Atlanta, Atlanta, GA

USA 2013, 15.03., Tag 2: Atlanta

Frühstück gab's heute im hoteleigenen Starbucks (erinnert mich schwer an das grandiose Hotel damals in Las Vegas...). Es war sehr vorteilhaft, dass der Starbucks schon um 06:00 Uhr öffnet, denn der Jetlag ist noch nicht überwunden. Wir haben uns dann als ersten auf den Weg zu CNN gemacht. Wow, von aussen ist das Gebäude eher unscheinbar, aber innen überwältigend. Ein riesiges Atrium, unten Geschäfte und Fast Food, die anderen Etagen gehören an zwei Seiten zu einem Hotel und der Rest alles zu CNN. Die Tour beginnt mit der obligatorischen Sicherheitskontrolle (Taschen, Rucksäcke, Metalldetektor). Auf der längsten freitragenden Rolltreppe (8 Stockwerke!) geht es nach oben. Am interessantesten war der Blick ins Live-Studio von CNN (einfach durch eine verglaste Wand - von beiden Seiten durchsichtig) und in den Redaktionsraum, wo die Nachrichten "gemacht" werden (mit Platz für bis zu 100 Leute). Es war schon erstaunlich, dass im Studio nur 2 Personen sind, der/die Moderator/in und ein Assistent. Kein Kameramann. Die ganze Technik wird ferngesteuert aus einem Kontrollraum.

Danach haben wir uns das Aquarium angesehen. Auch hier mussten wir durch eine Sicherheitskontrolle. Safety first! Das Highlight des Aquariums sind die 3 Walhaie, die mit riesigen Manta-Rochen und tausenden anderen Fischen in einem riesigen Becken schwimmen. Neben einem sehr geräumigen Glastunnel bietet das Becken die größte Glaswand, die wir je gesehen haben. Mindestens 6 m hoch und 25 m breit. Man könnte stundenlang davorsitzen und zuschauen. Mittags hatten wir Karten für die Delfin-Show. Nicht vergleichbar mit den Shows, die wir bisher gesehen haben. Eher ein Event zwischen Oper und Disney-Musical. Die Vorführungen der Delfine waren toll und nach einer halben Stunde war's auch schon wieder vorbei.

Im Aquarium gibt es leider nur ein einziges Selbstbedienungsrestaurant und die Essensbeschaffung war ein Alptraum. Und teuer außerdem. Was soll's, man hat ja leider keine Wahl. Nach den Streichelbecken (die Rochen fühlen sich wie Neopren an) haben wir uns noch die Fütterung der Rotfeuerfische angeschaut. Leider war es im Aquarium am Nachmittag so voll, dass es keinen Spaß mehr gemacht hat. Auf dem Weg zurück zum Hotel haben wir noch ein wenig das Zentrum von Atlanta erkundet. Aber wirklich nur ein wenig, denn viel gibt es nicht zu sehen. Downtown ist sehr übersichtlich. Nach einem kurzen Bad im Pool haben wir uns wieder im Food Court mit Abendessen versorgt.

CNN Center, Atlanta, GA
Georgia Aquarium, Atlanta, GA
Georgia Aquarium, Atlanta, GA
Marriott Marquis Hotel, Atlanta, GA